| Was ist MS? |
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Die
wichtigsten Fragen zu MS (die man heute
beantworten kann) |
Was ist MS? MS ist eine chronische,
entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems mit herdförmiger
Entmarkung. Die Isolierschicht (Myelin) des Gehirns und Rückenmarks wird bei MS
durch entzündliche Herde zerstört. Es entsteht Narbengewebe, das nicht in der
Lage ist, Nervensignale fortzuleiten.
Ist MS ansteckend? Nein
Ist MS erblich? MS ist keine Erbkrankheit,
aber die Empfänglichkeit für MS scheint vererbt zu werden. Es muss aber zu dieser
Empfänglichkeit aber noch vieles hinzukommen, damit man wirklich an MS
erkrankt. Das Risiko MS zu bekommen ist gering größer, wenn ein naher
Blutsverwandter MS hat.
In welchem Alter erkrankt
man? MS
tritt vor allem zwischen dem 20. und
40. Lebensjahr auf (selten nach dem 50., vor dem 20. Lebensjahr).
Wer erkrankt? MS findet sich gehäuft bei
Frauen (Frauen: Männer, 2:1). In bestimmten Breitengraden der Erde tritt MS
häufiger auf, in anderen ist sie dagegen sehr selten. In Mittel- und Nordeuropa
ist sie z.B. häufiger als in Südeuropa.
Was sind die Ursachen der
Erkrankung? Sie
sind noch ungeklärt. Es müssen
ziemlich sicher mehrere Faktoren zusammenkommen, damit MS entsteht. So kommen
zu inneren Faktoren wie einer erblichen Disposition, einem Immundefekt nicht
geklärte äußere Faktoren wie möglicherweise eine Virusinfektion in der frühen
Kindheit, geographische Faktoren, vielleicht Einflüsse einer bestimmten
Ernährungsweise.
Was löst die MS letztlich
aus? Nicht
immer kann eine auslösende Ursache gefunden werden, aber Infektionen,
Schwangerschaft, Verletzungen, Operationen, Impfungen oder auch seelische
Faktoren scheinen oft eine Rolle zu spielen.
Was sind die möglichen
Krankheitszeichen? Folgende Krankheitszeichen gibt es bei MS, aber viele Patienten haben
manche davon nie in ihrem Leben:
n
Bei Befall des
Rückenmarks:
Gefühlsstörung (z.B. Kribbeln, Taubheitsgefühl, Schmerzen), Störungen des
Temperatur- und Schmerzgefühls, Spastik (krankhaft erhöhte Muskelanspannung),
Paresen (Lähmungen), Blasenstörungen (z.B. Reizblase, Harninkontinenz) und
Mastdarmstörungen, sexuelle Störungen
n
Bei Befall des
Hirnstammes:
Trigeminusneuralgie (Schmerzattacken im Gesicht), Gesichtslähmung, Schwindel,
Brechreiz, verwaschene Sprache, tonische Hirnstammanfälle (krampfartiges, zum Teil
schmerzhaftes, minutendauerndes Zusammenziehen der Muskulatur einer
Körperhälfte)
n
Bei Befall des
Kleinhirns:
Koordinationsstörungen (Störung gezielte Bewegungen auszuführen), Ataxie (Störung des Zusammenspiels von
Muskelgruppen), skandierende (abgehackte) Sprache
n
Augensymptome:
Optikusneuritis/Sehnerventzündung (Verschwommensehen, weniger Sehschärfe,
Schmerzen bei Augenbewegungen), Lähmungen des Augenmuskels (Doppelbilder),
Nystagmus (Augenzittern)
n
Seltene Symptome: Verminderung der
Schweißsekretion, Kreislaufstörungen (allerdings findet sich niedriger
Blutdruck bei ¾ der Betroffenen), Schluckstörungen, Geschmacks- und
Geruchsstörungen, Atemstörungen, Hörstörungen
n
Schmerzen: Die meisten Schmerzen der
MS-Patienten sind nicht direkt durch MS verursacht, aber Folgeerkrankungen der
MS können zu Schmerzen führen (z.B. Harnwegsentzündungen, Dekubitus). Auch
durch Bewegungsmangel kann es zu
Schmerzen kommen. Direkt durch die MS verursacht sind z.B. erhöhter Muskeltonus
(vermehrte Muskelanspannung), Missempfindungen, elektrisches Gefühl beim Beugen
des Kopfes (Lhermitte-Zeichen), Trigeminusneuralgie, tonische Hirnstammanfälle,
wodurch es zu Schmerzen kommt oder kommen kann.
n
Psychische/geistige
Beeinträchtigungen: Es kommt häufig als Reaktion auf die Krankheit zu Depressionen, vor
allem in späteren Krankheitsstadien treten auch euphorische
Stimmungsveränderungen auf. In späteren Stadien der Erkrankung finden sich v.a.
bei schweren Verlaufsformen auch manchmal Störungen der Konzentration, des
Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit.
n
Fatigue: Viele MS-Patienten haben
das Problem vorzeitiger Erschöpfung und rascher Ermüdung. Eine mögliche Ursache
dafür liegt in einer verminderten Stoffwechselleistung in den
energieregulierenden Zentren des Nervensystems sein, die eng mit den vegativen
Zentren im Zwischenhirn verknüpft sind, die auch mit der Immunregulation
zusammenhängen.
Wie verläuft die MS? Sie verläuft höchst unterschiedlich. Die genauen Zahlen
variieren in Neurologie-Büchern leicht.
Ich halte mich hier ungefähr an die Wiener Neurologin Dr. Eva Maida:
n
25%
der Verlaufsformen sind gutartig: Es stellen sich nie oder erst im
Alter Behinderungen ein.
n
50
% der Betroffenen haben einen mittelgradigen Verlauf mit deutlichen
Behinderungen nach etwa 10-30 Krankheitsjahren.
n
25%
der Betroffenen haben einen schweren Verlauf mit Behinderungen nach 5-10
Krankheitsjahren oder auch schon früher.
n
Bei
den meisten Patienten verläuft die MS in Schüben, d.h. Symptome treten auf und
verschwinden nach Wochen-Monaten ganz oder teilweise wieder (schubförmig-remittierender
Verlauf).
n
10-15%
der Betroffenen haben von Anfang an bleibende, sich z.T. verschlimmernde
Symptome (primär
chronisch-progredienter Verlauf).
n
Bei
einigen Patienten geht die schubförmige Verlaufsform nach mehreren
Krankheitsjahren in die sekundär chronisch-progrediente Verlaufsform mit
oder ohne zusätzliche Schübe über. Es kommt dann langsam oder schnell zu einer
zunehmenden Behinderung.
Wie verschieden Verläufe der
MS im Einzelnen aussehen, kann man sich durch die MS-Lebensläufe,
die die Grundidee dieser Seite darstellen, verdeutlichen. Nach einzelnen Medikamenten,
Therapien, Zusammenhängen kann mit Hilfe der Suchfunktion in den
Lebensläufen gesucht werden. Viele dieser Lebensläufe sind anonymisiert. Aber
natürlich steht hinter jedem Lebenslauf ein Mensch mit MS. Die Bildergalerie
gibt eine Vorstellung zu den Gesichtern hinter den Lebensläufen.
Gibt es Hinweise für einen
eher gutartigen/bösartigen Verlauf? Für eine gute Prognose sprechen folgende Faktoren:
n
Weibliches
Geschlecht
n
Krankheitsbeginn
in jungen Jahren, aber nach dem 20. Lebensjahr
n
schubförmiger
Verlauf
n
Lange
Zeit zwischen den 1. und 2. Schub
n
Niedere
Schubrate in den ersten Jahren
n
Vollständige
Zurückbildung der frühen Schübe
n
Wenige
Läsionen in frühen Kernspinbildern
n
(Motorische
(die Bewegung betreffende) Symptome zu Beginn und polysymptomatischer Beginn
sind Hinweise auf einen möglicherweise eher ungünstigen Verlauf.)
Wie kommt es zu einer
Diagnose?
Man muss verschiedene andere Krankheiten ausschließen, um eine MS zu
diagnostizieren. Eine Rolle spielen bei der Diagnose:
n
Klinik
und Verlauf der Krankheit
n
Liquor
cerebrospinalis
n
Neurophysiologische
Diagnostik v.a. mit Hilfe visuell evozierter Potentiale
n
Computertomographie
zum Ausschluss weiterer Krankheiten
n
Kernspintomographie
zur genauen Darstellung der Entmarkungsherde
Wie behandelt man MS? MS ist nicht heilbar. Wer
sie hat, hat sie für immer, aber er muss nicht für immer erkennbare Symptome
haben. MS ist meist behandelbar.
n
Über
die medikamentöse Behandlung gibt
folgende Tabelle Auskunft: Medikamente
n
Über Alternative Therapien ergänzend zur medikamentösen Behandlung habe ich folgenden
Überblick erstellt, in dem naturheilkundliche, krankengymnastische,
psychotherapeutische, esoterische Therapien angesprochen werden, ferner auch
Diäten und Entspannungsmethoden, die das Befinden bei MS möglicherweise
verbessern können: Alternative
Therapien
n
Eine
Psychotherapie kann manchen Menschen
helfen, aber MS ist weder eine psychische Krankheit, noch allein durch die
Psyche verursacht. Die Psyche kann aber einen Verlauf verschlimmern oder
verbessern. Ganz sicher kommen auch noch weitere Faktoren hinzu.
Gibt es allgemeingültige Ratschläge
bei MS?
Nein, man muss den einzelnen Verlauf, den einzelnen Menschen ansehen, um
brauchbare Behandlungsmethoden zu finden. Folgende Tipps sind aber meistens
richtig:
n
Wege
suchen, sich zu entspannen
n
Sich
einen offenen, kompetenten Neurologen und kompetente Therapeuten suchen
n
Sich
gezielt nach Behandlungsmöglichkeiten für den persönlichen Verlauf erkundigen
n
Sich
frühzeitig über rechtliche, soziale Konsequenzen der Krankheit informieren und
mögliche Vergünstigungen für sich in Anspruch nehmen
n
Sich
einer Selbsthilfegruppe anschließen oder auf sonstigen Wegen mit mehreren
anderen Betroffenen in Kontakt kommen, um sich über Probleme und Symptome
austauschen zu können.
n
Seine
Möglichkeiten soweit vorhanden nutzen und sich nicht selbst frühzeitig und
unnötig einschränken
n
Nicht
vom Verlauf anderer oder den Erfahrungen anderer mit Medikamenten und Therapien
Schlüsse für sich selbst ziehen: Was für andere gilt, muss nicht für einen selbst gelten!!!!!!!!!
n
In
der Gegenwart leben, weder dem nachtrauern, was war, noch Angst vor der Zukunft
haben